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Dr. Madeleine Petrovic, stv. Bundessprecherin der Grünen

Die Jagd - eine ur-, uralte Institution; ursprünglich lebensnotwendig für Menschen, die als JägerInnen und SammlerInnen lebten; heute oftmals fragwürdiges Hobby der High Society ohne ökologische Fundierung. Gefährliche und grausame Jagdmethoden (Fallenstellerei, Lebendköder) und die eigene Zucht für Jagdzwecke sollten per sofort verboten werden. Alle anderen Formen der Jagd haben sich einer gesellschaftlichen Debatte zu stellen.

Pressemeldung vom 29.06.06 zum Thema Abschuss des Bären JJ1 alias Bruno

HALALI

Eine Fabel über Problembären, Problemjäger und großen Problemen überhaupt.

JJ1 alias Bruno ist tot. Blitzartig erlegt von anonymen JägerInnen. Die scharfe Munition traf das Ziel sofort – mit den Narkosegewehren gelang das über Wochen vorher nicht.

Gefährlich sei er gewesen, der Bär, zu nahe sei er den Menschen und ihren Siedlungen gekommen. Mag sein, wiewohl es mit Sicherheit weit größere Gefahren für uns Menschen und unsere Kinder gibt.
Zugegeben auch, dass ich großes Mitleid mit den Schäfchen und Kaninchen hatte, die Bruno auf seinen weiten Wegen getötet hat, oftmals ohne seine Beute zu verzehren. Das wurde ja noch und noch betont: ein Bär mit Killerinstinkt, der nicht aus Hunger tötete, eben ein Problembär. Falsch erzogen von der Mutter, die offenbar auch im Tierreich für alle Fehlentwicklungen die Verantwortung trägt. 
Ein strenger Maßstab für einen Bären. Die Konsequenz eine tödliche.

Und was ist, wenn ich den Maßstab auf die Welt der Menschen übertrage? Wenn ich so wie in den guten alten Fabeln von Hase und Igel das Verhalten des Bären an der menschlichen Gesellschaft spiegle?

Die Lust am Töten ohne erkennbaren Nutzen, Exzesse der Gewalt, das war und ist kein Spezifium von Problembären.
Bleiben wir in der Welt der traditionellen Jagd. Wie viele Haustiere, teils alt, behäbig und völlig harmlos, fallen laufend ach so kühnen Jägern zum Opfer?
Beispiele gefällig – und es sind nur Spitzen des Eisbergs, die überhaupt bekannt werden. Die alte Hündin Mona, in Wien unterwegs mit Beißkorb – vor den Augen ihrer entsetzten Menschenfamilie von einem „Jäger“ durch einen Messerstich ins Herz getötet. Ein zahmes, von Menschen aufgezogenes Reh, daheim im Garten von einem „Jäger“ abgeknallt oder ein kleines Kätzchen in Hausmening, das dem Nachbarn, einem „Jäger“ auf die Nerven ging, kurzerhand ins Auto gepackt, vom Haus weggebracht und regelrecht hingerichtet – bislang ohne rechtliche Konsequenzen. Oder die mutigen „Jäger“, die tückische Fallen legen: Ich selbst habe am Stadtrand von Wien stundenlang die durch Mark und Bein dringenden Schmerzensschreie eines in eine Falle getappten Dachses gehört, bis er vom Tod erlöst wurde. Und gar die feinen „Jäger“, die ihre Beutetiere in regelrechten Farmen handzahm aufpäppeln lassen, um sie dann bequem und ohne Anstrengung am Wochenende niederzuballern.
Bruno war weiß Gott nicht der einzige Problem-Jäger und sicher nicht der gefährlichste. Für mich und meine Kinder und meine vierbeinigen Familien-Mitglieder fürchte ich die zweibeinigen Problem-Jäger weit mehr als jedes Raubtier.
Noch krasser wird das Spiegelbild in unserer Fabel, wenn wir den Vorwurf des Tötens ohne Hunger, ohne Bedarf betrachten.
Gewaltige Überproduktionen, Fleischdumping und Lockangebote in den Handelsketten, Milliarden – Euro – Subventionen an Food – Konzerne zur „Vermarktung“, eigentlich Verschleuderung der Überschüsse. Mehr und immer mehr, groß und immer größer, während die kleinen bäuerlichen Betriebe verschwinden. „We feed the world“: Das sieht so aus, dass die eine Hälfte der Welt nicht mehr weiß, wie man das Übergewicht loswerden soll, während die andere Hälfte arm, rechtlos und land-los hungert, weil immer mehr Flächen verwendet werden, um Futtermittel für das Vieh der Reichen oder Energiepflanzen für den unersättlichen Energiebedarf des Nordens zu produzieren.
Zu guter Letzt: Damit den dicken Kindern der Appetit am Überfluss nicht vergeht, müssen die Beutetiere der Fließband-Jagd-Gesellschaft adrett zugerichtet werden: keine blutigen Kadaver, sondern Hamburger, Würstchen oder Fischstäbchen. Wirklich clevere „Jäger“ richten ihre Beute appetitlicher zu als Bruno.
Hütet euch vor den Bestien!  


DDr. Martin Balluch, österr. Mathematiker, 
Astronom, Buchautor und Tierrechtler


Die typischen Folgeschäden der Jagdlust: Die Jäger möchten gerne viele, leicht zu treffende Ziele mit bunten Federn als Trophäen schießen können. Also wurden Fasane aus Asien hierher gebracht, in großer Zahl in Massentierhaltungen gezüchtet, mit allen Begleitumständen wie dem Kupieren der Schnäbel usw., und dann werden die zahmen Tiere ausgesetzt, obwohl sie hier gar nicht heimisch sind. Die lebensunfähigen Vögel sollen nun bis zum Abschuss am Leben gehalten werden. Dafür müssen alle Raubtiere sterben. Und am Schluss heißt es: Unsere Jägerschaft schützt die Natur.



Zitate


Karlheinz Essl, Eigentümer der Baumax-Unternehmensgruppe

"
Er hat die Jagd noch nie gemocht, ... könnte nie ein Tier erschießen, würde sich nie mit einer Trophäe brüsten." 
(diepresse.com vom 02.02.2009



Prof. Antal Festetics, Wildbiologe und Verhaltensforscher

"Dass die Jäger den Wald gesund halten ist ein Schmäh. Wir haben in Österreich 110.000 Jäger, die schießen doch nicht unentwegt auf kranke Tiere. Jagd ist eine Lusthandlung."

"Das ganze ist kein Bärenproblem sondern ein Menschenproblem" (zur Jagd auf JJ1)


"Es gibt keine abartigen Bären, jeder Bär hätte genau so reagiert wie Bruno. Der Bär tötet niemals aus Lust. Wenn er drei Schafe reißt und nur zwei frisst, liegt das an der Situation. So wie der Hecht im Karpfenteich."


Alexander von Humboldt (1769-1859), Begründer der wissenschaftlichen Erdkunde

Wo ein Jäger lebt, können zehn Hirten leben, hundert Ackerbauer und tausend Gärtner."


Emmanuel Kant, deutscher Philosoph (1724 - 1804)

"Unter allen Lebensweisen ist das Jagdleben ohne Zweifel der gesitteten Verfassung am meisten zuwider; das Noachische Blutverbot scheint uranfänglich nichts anderes als das Verbot des Jägerlebens gewesen zu sein."


Paul Parin, Ehrendoktor der Universität Klagenfurt und selbst Jäger

"Jagd eröffnet einen Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und für sexuelle Lust, wann und wo immer gejagt wird. [...]".


François Voltaire, frz. Schriftsteller und Philosoph (1694 - 1778)

"Die Jagd ist eines der sichersten Mittel, das Gefühl der Menschen für ihre Mitgeschöpfe abzutöten."


Jagdzitate

Prof. Dr. Gerd Rohmann auf der Jahrestagung 2004 des Forums lebendige Jagdkultur e.V., Vortragstitel "Neue Gedanken zur Lust an der Lust zwischen Erleben und Erlegen"


"Denn darin, dass wir das Naturding Wild töten und dabei einen exorbitanten Lusteffekt erleben, erweist es sich empirisch, dass wir etwas ganz Besonderes in unserem Innern erfahren. Mit der Jagd ist es so ähnlich wie mit der Liebe: Das erotische Erleben liegt auf dem Weg zum Höhepunkt. Das Ziel liegt nämlich nicht im schnellen Schuss, sondern im Erstreben und Erleben eines gemeinsam erreichten anhaltenden Höhepunkts. Den emotionalen Höhepunkt seiner Jagd, den Kick, erlebt der Jäger immer dann, wenn er den todbringenden Schuss auslöst." 

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